Tierarztpraxis Antonia Körber

 

Blutegeltherapie

Blutegel (Hirudis medicinalis) werden seit Jahrhunderten zur Therapie verwendet. Die im Speichel des Egels enthaltenen Substanzen, v.a. das Hirudin ist blutgerinnungshemmend, antithrombotisch, gefäßkrampflösend. Eine weitere bekannte Substanz, die Eglinose, ist stark entzündungshemmend und schmerzstillend. Es werden viele weitere wirksame Substanzen vermutet, deren Identität noch nicht geklärt ist, aber von großem medizinischen Interesse sind.

Anwendungsgebiete

Aufgrund der hervorragend gerinnungshemmenden und antientzündlichen Wirkung setzen wir Blutegel bevorzugt bei Gelenks-und Sehnenentzündungen, großen Hämatomen, Wundheilungsstörungen etc. ein. Sehr gute Erfolge haben wir auch bei der akuten Hufrehe oder beim inkompletten Bandscheibenvorfall mit mäßigen Lähmungserscheinungen (falls eine OP aus diversen Gründen ausscheidet). Ob diese Therapieart im Einzelfall in Frage kommt, kann erst nach einer ausführlichen Befunderhebung und Abwägung aller medizinischen Möglichkeiten entschieden werden.

Therapieablauf

Neben der Phase des Saugens -  hier werden die für uns wichtigen Substanzen in den Patienten eingebracht -  ist die Phase des Nachblutens, nachdem der Egel abgefallen ist, von entscheidender Bedeutung. Die Nachblutung kann bis zu einigen Tagen dauern - und ist erwünscht! Es erfolgt eine Reinigung der Wunde, entzündliche, fibrinhaltige Substanzen werden ausgeschwemmt. Die Blutung sollte daher keinesfalls unterbunden werden.

Blutegel, die medizinischen Einsatz finden, werden auf speziellen Blutegelfarmen gezüchtet. Dort wird gewährleistet, dass die Egel vor dem Einsatz am Patienten noch nie vorher angesetzt wurden.

Blutegel dürfen, wenn sie einmal gebissen haben, niemals abgerissen werden, da die Beißwerkzeuge in der Bisswunde verbleiben und Entzündungen hervorrufen können. Außerdem geraten die Egel beim Abnehmen in Panik und entleeren Ihren Darminhalt in die Wunde, was ebenso zu Infektionen führen kann.

Die Egel sollten deshalb so lange saugen, bis sie vollgesogen sind und von allein abfallen. Dies kann zwischen 20  - 60 Minuten dauern, während der Egel seine Größe vervielfacht.

Wichtig für den Erfolg der Therapie ist der korrekte Umgang mit dem Lebewesen Blutegel und die Vor-und Nachbereitung der Bissstelle.

Auch die  „Entsorgung“ unserer „Helfer“ muss im Hinblick auf den Tierschutz und auch rechtlich korrekt und verantwortlich durch den Therapeuten erfolgen - ein Aussetzen in der Natur ist streng verboten.

Wir haben hervorragende und immer wieder verblüffende Erfolge im Bereich der Blutegeltherapie erzielen dürfen!

Obwohl es sich um eine alte und teils martialisch anmutende Therapie handelt, die sehr zeitaufwendig ist,  sprechen die teils überwältigenden Erfolge für sich.

Risiken

Da trotz aller Vorsicht in sehr seltenen Fällen lokale Reizungen entstehen können, aber auch anaphylaktoide Reaktionen beschrieben sind, gehört die Anwendung in medizinische Hände, so dass ein ggf. erforderliches therapeutisches Eingreifen umgehend erfolgen kann. Auch sollte vorher unbedingt abgeklärt werden, ob blutungsfördernde Therapeutika eingesetzt wurden (z.B. Heparin etc.). Keinesfalls sollten Egel von medizinischen Laien eingesetzt werden - zur Schonung des Patienten und auch aus Tierschutzgründen gegenüber unserem wertvollen Helfern, der leider sein Leben für den Einsatz lassen muss. Dieser hat zumindest einen korrekten und verantwortungsvollen Umgang vor und nach dem „Einsatz“ verdient.

Für weitere Fragen in Bezug auf die Möglichkeiten einer solchen Therapie wenden Sie sich gerne an uns!